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Zertifikat 1mini

Am 6.6.2009 erhielt die Grundschule II vom Hess. Kultusministerium
zwei Zertifikate für "Bewegung" und "Ernährung" - eine Auszeichnung für die erfolgreiche Arbeit im Bereich der Gesundheitsförderung!

 

Diese Zertifikate wurden 2014 vom Schulamtsdirektor Herrn Traub erneuert.

Zertifikat 2mini

Schulentwicklungsschwerpunkt:

Bewegungs- und Gesundheitsförderung

Ausgangslage und Handlungsbedarf

Warum ist Bewegung in der Schule wichtig?

  • Die Welt, in der unsere Kinder leben, hat sich verändert. Viele Kinder spielen und bewegen sich immer weniger im Freien und sitzen umso länger vor Fernseher oder Computer.

  • Für viele Kinder ist die Schule der wichtigste Ort, an dem sie Sport treiben und sich bewegen können.

  • Bewegung ist bei Kindern der Motor ihrer Entwicklung. Durch Bewegung lernen sie ihren Körper und ihre Umwelt kennen. Bewegung verknüpft Sinne, Muskeln und Gehirn und schafft damit die Grundlagen für Lernen und Denken. Sport und Bewegung machen Kindern Spaß, stärken ihr Selbstbewusstsein und fördern soziales Lernen.

Gibt es an unserer Schule einen besonderen Handlungsbedarf in Bezug auf Bewegungs- und Gesundheitsförderung?

  • Wir beobachten seit Jahren eine deutliche Zunahme erheblicher motorischer Defizite bei vielen Kindern. Diese Defizite zeigen sich zum Beispiel darin, dass Kinder nicht auf einem Bein stehen können, ihr Körpergewicht nicht halten können, auch niedrigste Hürden nicht überspringen können oder einen Dauerlauf nicht einmal eine Minute durchhalten.

  • Diese Beobachtungen werden durch die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen durch das Gesundheitsamt Marburg bestätigt. Danach haben jeweils rund ein Viertel unserer Schüler bei der Einschulung motorische Defizite oder teils erhebliches Übergewicht. Gerade für diese Kinder sind Bewegung und Sport wichtig, um Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfällen, Herz- Kreislauf Erkrankungen oder Diabetes vorzubeugen.

  • Bewegung ist für Kinder ein Grundbedürfnis, das genau so wichtig ist wie Essen und Schlafen. Gerade wegen der mangelnden Bewegung sind viele Kinder unkonzentriert und wenig ausdauernd und haben Probleme beim Lernen. 

Warum ist neben der Bewegungsförderung auch gesunde Ernährung wichtig?

  • Viele Kinder ernähren sich zu süß und zu fett. Sie trinken vor allem gesüßte Getränke und essen wenig Obst und Gemüse. Obwohl diese Kinder reichlich essen und oft übergewichtig sind, fehlen Vitamine und Mineralien, die     für ihre Entwicklung wichtig wären.

  • Gesunde Ernährung hilft beim Lernen. Damit das Gehirn optimal arbeiten kann, braucht es Sauerstoff, Eiweiß, Vitamine, Mineralien und Flüssigkeit. Bewegung und frische Luft liefern Sauerstoff.     Milch- und Vollwertprodukte, Obst und Gemüse sorgen für Eiweiß, Vitamine und Mineralien. Wasser versorgt das Gehirn mit Flüssigkeit. Zucker und gesüßte Getränke sind dagegen schlecht für die Gehirntätigkeit, weil sie träge machen und Vitamine rauben.

Bewegungs- und Gesundheitsförderung – Konzeption und Praxis

Bewegungs- und Gesundheitsförderung sind seit Jahren ein Schwerpunkt unserer Schulentwicklung. Wir haben dazu ein breit gefächertes Konzept entwickelt, das kontinuierlich und langfristig umgesetzt wird. Dieses Konzept geht von einem umfassenden Gesundheitsbegriff aus, der über Bewegung und gesunde Ernährung hinaus auch das Selbstkonzept und die sozialen Kompetenzen der Kinder beinhaltet. Dieses Konzept setzen wir mit einer Reihe von Maßnahmen und Angeboten um:

 

BEWEGUNG:

  • Ein attraktiver und vielseitiger Sportunterricht vermittelt den Kindern Bewegungsfreude und viele Bewegungsfähigkeiten. Die Ausstattung der Sporthalle wird ständig verbessert. Alle Schüler erhalten eine einjährige Schwimmausbildung. Das Bewegungsangebot wird durch die Bereiche Zirkus und Akrobatik sowie Psychomotorik erweitert. Jedes Jahr führen wir unsere "Grundschulolympiade" mit den 3. und 4. Klassen durch, wobei die Kinder an 16 verschiedenen Sportstationen ihr Können unter Beweis stellen können.

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  • Für eine aktive Pause gibt es viele Spiel-, Sport- und Fahrgeräte.

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  • In der Winterzeit bieten wir während der großen Pausen in der Turnhalle (Südschule) bzw. im Bewegungsraum (Waldschule) feste Bewegungspausen an, z. B. Yogapause, Fußballpause, Zirkuspause.
  • Der naturnahe Spielplatz an der Südschule bietet vielfältige Bewegungsmöglichkeiten. Das Spielgelände der Waldschule ist seit 2014 um ein Waldstück hinter dem Schulgelände durch Anmietung erweitert worden. Es soll im Zuge der Neubauentwicklung zum naturnahen Spielplatz umgestaltet werden.

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  • In den Unterricht werden regelmäßig Bewegungs- und Entspannungsphasen eingebaut.

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  • An der Waldschule wurde ein Bewegungsraum eingerichtet, dessen Ausstattung wir laufend erweitern. Er wird zur Bewegung und Entspannung von Schülern und Lehrern genutzt sowie einmal im Monat von den Eltern des Elterncafes.

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ERNÄHRUNG:

  • Im Bereich Ernährung streben wir einen möglichst zuckerfreien Schultag an. Es gibt eine tägliche, gemeinsame Frühstückspause. Für alle Kinder steht Wasser zum Trinken bereit.

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  • Im Bereich der Zahnvorsorge arbeiten wir mit dem Gesundheitsamt Marburg zusammen.

  • Gesunde Ernährung ist durchgängiges Thema des Sachunterrichts. Es beinhaltet insbesondere die Aspekte Lebensmittelkunde und Ernährungswissen, Zubereitung von Speisen, Hygiene und Esskultur. Viermal im Jahr bereitet jede Klasse ein großes gesundes Frühstücksbuffet vor, evtl. auch mit Elternhilfe.

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  • Alle dritten Klassen nehmen an einem Kochkurs teil, bei dem sie ihre gesunden Speisen selbst zubereiten.

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  • Für die dritten und vierten Klassen bieten wir Arbeitsgemeinschaften (AGs) an, mit denen wir Bewegung, gesunde Ernährung und die Persönlichkeitsentwicklung unserer Schüler fördern und sie zu einer sinnvollen Freizeitgestaltung anregen wollen. Dazu gehören zum Beispiel Zirkus und Akrobatik, Kochen, Theater, Musik, Tanz und Yoga.

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PSYCHO-SOZIALE GESUNDHEIT

  • Im Bereich psychosoziale Gesundheit fördern wir Selbstkonzept und Selbstwertgefühl sowie die kommunikativen und sozialen Kompetenzen unserer Schüler. Dazu dienen u.a. das Unterrichtsfach "Soziales Lernen", das Unterrichtsprogramm „Eigenständig werden“, Mediation und Entwicklungspädagogik (ETEP und EPU).
  • Alle zwei Jahre findet unser großes Schulfest statt, bei dem die Kinder auftreten und Spiel- und Verkaufsstände betreuen.

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  • Die Bühnenprogramme unseres Zirkus- und Akrobatikprojektes „Traumfänger“ sind eine Synthese von atemberaubender Akrobatik, Clownerie, Magie, Musik, Kunst und Tanz. Bisher haben die Traumfänger mehr als 20.000 Zuschauer begeistert. Mit dem Projekt Traumfänger wollen wie den Kindern Freude an Bewegung vermitteln, ihre Kreativität und Fantasie anregen, ihr Selbstbewusstsein fördern und den sozialen Zusammenhalt stärken. "Traumfänger" ist unser Zirkus- und Akrobatikprojekt. Bei diesem Projekt lernen die Kinder Bodenakrobatik, Luftakrobatik, Trampolinspringen, Clownerie und Zauberei.Alle 400 Schüler lernen das Projekt in den ersten beiden Schuljahren kennen. Im dritten und vierten Schuljahr können die Kinder als Teil eines breiten AG-Angebotes Zirkus- und Bewegungskünste erlernen.
  • 2012 gewannen die „Traumfänger“ den Jugend-Kulturpreis des Landkreises.

 

PILOTPROJEKTE

  • In den Jahren 2005 bis 2009 haben wir uns an dem Projekt PP XXL des Staatlichen Schulamtes Marburg- Biedenkopf beteiligt.
    PP XXL (Projekt Prävention) war ein Pilotprojekt, in dem vier Grundschulen im Landkreis Marburg-Biedenkopf in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Schulamt unter wissenschaftlicher Begleitung Konzepte entwickeln und praktisch erproben sollten, um Bewegung und gesunde Ernährung der Schüler zu fördern. Auf die Erfahrungen und Ergebnisse dieses Projekts konnten wir auch in den folgenden Jahren aufbauen.

  • In den Jahren 2011 bis 2013 war das Projekt „Traumfänger“ Modellprojekt bei Hessen IN FORM. Hessen IN FORM ist eine Initiative der Hessischen Landesregierung für mehr Bewegung, gesunde Ernährung und Entspannung. Das Projekt „Traumfänger“ wurde als „herausragendes Projekt in der Modellregion Marburg – Biedenkopf“ ausgewählt, weil es einen beispielgebenden Beitrag zur Entwicklung von Bewegungskonzepten an Grundschulen leistet und in ein breit angelegtes schulisches Konzept zur Bewegungs- und Gesundheitsförderung eingebettet ist.

  • Seit 2013 wird das Projekt „Traumfänger“ vom Bundesministerium für Bildung und der bundesweiten Vereinigung "Zirkus macht stark" im Rahmen des Programms "Kultur macht stark" gefördert.
  • In Anerkennung unserer erfolgreichen Bemühungen zur gesundheitsfördernden Profilbildung wurden uns vom Hessischen Kultusministerium die zwei Teilzertifikate „Bewegung“ und „Ernährung“ überreicht.

Ergebnisse und Evaluation  

Die Erfolge im Bereich Bewegung zeigen sich bereits auf den ersten Blick, wenn man die Kinder in der Pause oder beim Sport beobachtet. Um uns nicht nur auf unsere Eindrücke zu verlassen sondern einen objektiven Bewertungsmaßstab zu haben, haben wir mit rund 400 Kindern am „Münchner Fitnesstest“ teilgenommen. Dadurch können wir die körperliche Fitness unserer Schüler mit den Bewegungsleistungen gleichaltriger Kinder in ganz Deutschland vergleichen. Die bisherigen Tests zeigen, dass die Ergebnisse unserer Schüler deutlich besser sind als die Durchschnittswerte in Deutschland. Auch die Ergebnisse der Grundschulolympiade zeigen, dass unsere Aktivitäten zur Bewegungsförderung sich positiv auswirken und deutlich bessere Bewegungsleistungen zur Folge haben.

Im Bereich gesunde Ernährung haben wir unsere Beobachtungen durch mehrmals durchgeführte Stichproben objektiviert. Bei diesen Stichproben, die unangekündigt in allen Klassen während der Zeit des gemeinsamen Frühstücks durchgeführt wurden, hat sich folgendes Bild bestätigt: Das Frühstück der Kinder besteht weit überwiegend (85 %) aus Wurst- oder Käsebroten/brötchen. Seltener (10 %) sind Brötchen ohne Belag. Süße Aufstriche oder Süßigkeiten sind Ausnahmen. Rund 60 % der Kinder haben Obst oder Gemüse dabei. Dies ist noch nicht befriedigend.
Getrunken werden Wasser oder Säfte mit geringem Zuckergehalt. Stark gezuckerte Getränke werden selten (unter 10 %) mitgebracht. Ursache dafür ist häufig mangelndes Wissen oder irreführende Werbung. Insgesamt lässt sich von einem erfreulichen und positiven Ergebnis ausgehen.

Unsere Beobachtungen und die Ergebnisse der Stichproben wurden auch von zwei externen wissenschaftlichen Untersuchungen bestätigt. Allerdings stellten diese Untersuchungen auch einen erheblichen Unterschied zwischen dem Ernährungsverhalten in der Schule und zu Hause fest. Die Untersuchungen sahen darin den Hauptgrund, warum es nicht gelungen ist, die Zahl der Kinder mit Übergewicht bzw. Fettsucht (Adipositas) zu verringern.

Bei diesen Untersuchungen ging es auch um die Frage, ob sich mehr Bewegung und gesunde Ernährung am Schulvormittag positiv auf die Selbstwahrnehmung und das soziale Leben an der Schule auswirken (Befragungen zur Lebensqualität ILK und zum sozialen Selbstkonzept BSSK als Kernbereiche psychosozialer Gesundheit). Zu beiden Fragen waren die Ergebnisse der Untersuchungen deutlich positiv.

 

Erfahrungen und Perspektiven

Als Ergebnisse lassen sich zusammenfassen:

Es ist möglich, die Entwicklung zu Bewegungsverarmung und ungesunder Ernährung zu stoppen und umzukehren. Eine bewegte, gesundheitsfördernde Schule hat positive Auswirkungen auf die Lebensqualität der Kinder und das Zusammenleben an der Schule. Zudem fördert Bewegung Wahrnehmung und Lernen.

Aufgrund dieser Erfahrungen haben wir Bewegungs- und Gesundheitsförderung als Schwerpunkt der Schulentwicklung in unserem Schulprogramm verankert. Unser Ziel ist, auch in den kommenden Jahren das erreichte hohe Niveau in der Bewegungs- und Gesundheitsförderung zu erhalten und auszubauen.

Die Entwicklung unserer Schule zu einer Ganztagsschule bringt dazu neue Möglichkeiten, aber auch neue Aufgaben und Herausforderungen. So haben wir die Chance, den Ganztag bewegungsintensiv zu gestalten und zusätzliche Angebote im Bereich der Gesundheitsförderung zu machen. Andererseits brauchen wir durch die verlängerte Anwesenheit der Kinder an der Schule viel mehr Entspannungsangebote, Ruhe- und Rückzugsmöglichkeiten. Es ist zu hoffen, dass durch die anstehenden Baumaßnahmen an beiden Standorten zusätzliche Möglichkeiten geschaffen werden.

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Zugleich bitten wir auch weiterhin die Eltern um Unterstützung. Es liegt auf der Hand, dass die Möglichkeiten der Schule zur Bewegungs- und Gesundheitsförderung begrenzt sind. Deshalb ist es wichtig, dass die Kinder auch zu Hause zu Bewegung, Sport und einer aktiven Freizeitgestaltung angeregt werden und sich auch zu Hause gesund ernähren. Eltern sollten sich bewusst sein, dass sie auch hier – im Positiven wie im Negativen – Vorbild für ihre Kinder sind.